Interview
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Julia Kierdorf & Thomas Castéran

Es ist auch eine Art der Kommunikation mit anderen Personen

Interview mit der Malerin und Bildhauerin Hélène Picard

„Meine Arbeit dreht sich vorwiegend um Emotionen“ antwortet Hélène Picard, als wir sie nach ihrer Inspiration befragen. Die französische Malerin und Bildhauerin, die bildende Künste an der Universität „Beaux-Arts“ in Paris studiert hat, drückt in ihren Kunstwerken aus, wie sie andere Menschen wahrnimmt oder wie sie die Atmosphäre einer Umgebung empfindet. „Alles was ich sehe, kann ich sehr stark und tief empfangen […] Selbst, wenn man eine Landschaft betrachtet. Für mich repräsentiert eine Landschaft innere Gefühle. Es ist eine Möglichkeit eine Brücke zwischen beiden zu schlagen, den externen Elementen und dem, was wir in uns haben.“

Ihr Weg hin zu der Künstlerin, die sie heute ist, war nicht immer leicht. Sie durchlebte eine dreijährige Krise in der sie fortwährend versuchte finanzielle Stabilität und Selbstentfaltung zu balancieren: „Ich war so davon besessen von meiner Kunst zu leben, meine Gemälde zu verkaufen, Geld zu verdienen, dass ich an einem bestimmten Punkt ankam, wo ich nur noch gemalt habe, um meine Bilder zu verkaufen und nicht mehr zu meiner eigenen Befriedigung – oder um zu suchen und zu finden, wie beispielsweise eine neue Ausdrucksform“.

In gewisser Weise ist es Hélène Picards Bedürfnis der Welt zu zeigen, was sie wahrnimmt. Diese Notwendigkeit half ihr über diese schwierige Phase hinwegzukommen und sich letztendlich darüber klar zu werden, “dass ich nichts anderes sein kann als eine Künstlerin: Sicherlich, es ist auch eine Frage der Selbstdarstellung und weil ich zu viel in mir habe. Andererseits ist es aber auch eine Art der Kommunikation mit anderen Personen. Nicht mit Worten, sondern in meinem Fall mit Farben.“

Hélène Picard im Studio

Hélène Picard’s Arbeitsweise stellt sich für die Künstlerin selbst als unübersichtlich dar, auch weil durch die Hinterlassenschaften anderer eine gewisse Komplexität entsteht: „Wenn man versucht etwas zu schaffen, dann erschafft man es aus etwas das bereits existiert, da man nicht alleine auf der Welt ist. Man hat ein paar Anhaltspunkte und Inspirationen.“ Ihrer Meinung nach liegt das Einzigartige eines Kunstwerkes in dessen Form und diese wird von dem Künstler bestimmt: „Man findet Inspirationen, aber die Form am Ende ist einzigartig“. Diese Suche nach Einzigartigkeit ist charakteristisch für viele Gestaltungsprozesse. Für  Hélène Picard ist es auch Ursprung innerer Unruhe, insbesondere im Zusammenhang mit Ausstellungen. Diese bedeuten für sie, dass sie sich ihrer Angst vor der Zurückweisung der Besucher stellen muss und auch negativen Rückmeldungen ausgesetzt sein kann. Mit der Zeit nimmt diese Unsicherheit ab, und zwar „nachdem man etwas Anerkennung für das was man tut erhalten hat, ändert sich dies. Dann fühlt man sich wohler.“

Hier zeigt sich eine Parallele zu Situationen in der Arbeitswelt. Oftmals halten sich Mitarbeiter zurück, wenn es darum geht Ideen zu artikulieren, vor allem wenn diese über den normalen Rahmen hinausgehen. Die Angst vor Zurückweisung und das damit einhergehende Verhalten hat jedoch auf lange Sicht einen negativen Einfluss auf die Innovationsfähigkeit. Für Unternehmen, die die Motivation und Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter aufrechterhalten möchten, ist es wichtig, ein Arbeitsumfeld zu ermöglichen, welches Mitarbeiter dazu anregt über ihre Grenzen hinauszugehen, meint auch Hélène Picard: „Man kann erkennen, dass wenn man Leuten erlaubt sich selbst auszudrücken und sie davon überzeugt es einfach mal auszuprobieren, […] dies zu starkem Engagement führt“.

Hélène Picard – La blouse dorée

Gleichzeitig kommt es auch auf die Wertschätzung für sich selbst, das eigene Selbstbewusstsein und die Fähigkeit die eigene Weiterentwicklung anzuerkennen an: „Wenn man mit sich selbst zufrieden sein möchte, dann muss man an sich selbst und an seine Fähigkeiten glauben. Man muss anerkennen, dass man gute Dinge tut, selbst wenn manche Leute es nicht genauso sehen. Dennoch tut man was man kann und man versucht sich zu verbessern. Jeden Tag machen wir ein paar kleine Fortschritte, nicht viele, aber es ist dennoch sehr wichtig diese wahrzunehmen. Dies ist eine Art um mit seiner Arbeit zufrieden zu sein.“

Das komplette Interview mit Hélène Picard in englischer Sprache

Info

Ein Beitrag von Julia Kierdorf & Thomas Castéran.
Das Interview wurde am 12.02.2016 von Julia Kierdorf durchgeführt.
Bildquelle: Hélène Picard.

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